Der Kaufman Johann Mat(t)hias Lameyer (1752 – 1825) aus Bremen

Hier ein Auszug aus dem Buch von Horst Lameier (Seiten 155-160) über den wohlhabenden Bremer Kaufmann und Senator Johann Mat(t)hias Lameyer.

Durch zwei Eheschließungen Menke – Spießmacher Mitte des 17. Jh.  ist auch die Ahnengemeinschaft mit der Familie des Fürsten Bismarck belegt. Die durch den Bremer Genealogen Wilhelm Albers (vor 1963) erstellte Abstammung von den Karolingern (bis zu Karl dem Großen) läßt sich durch neuere Forschungen, die einen Fehler in “Lünebergs Nüshardt” ergaben, der als Quelle verwendet wurde, nicht halten. (s. nord. Familienkunde Bd. 10/25. Jahrgang, Heft 3). Immerhin sind alle diese Ahnenkreise, die bis in das frühe Mittelalter reichen, von größtem Interesse, spiegelt sich doch gerade in diesen führenden Gestalten die gesamte Bremer Stadtgeschichte wieder. Durch die Ehe Lameyer – Rouwe kam ein großes Vermögen in die Familie. Das läßt sich am Lebensstil und an der Bedeutung des einzigen Sohnes aus dieser Ehe ablesen. 

Johann Matthias Lameyer war wohl der herausragendste Vertreter dieses  Familienzweiges .

Johann Matthias Lameyer
Johnna Gesine Henriette Mehne
Scherenschnitt

Hier zunächst einige biographische Daten :

geb. 18.2.1752 get . 22.2.1752 Dom
gest. 13.(23.)4.1825

verh . I. 11.5.1784 St, Ansgari rn. Johanna Gesina Henriette Mehne, 
geb. 3.9.1766, gest. 20.2.1786 im Kindbett (Bild erhalten)

Hier sind sowohl ein Hochzeitsgedicht als auch die Leichenpredigt mit dem Scherenschnitt der Verstorbenen erhalten.

Anna (Johanna) Christina Elisabeth Lameyer
Tochter von Johann Matthias Lameyer aus erster Ehe

Die einzige Tochter aus dieser Ehe, Anna Christina Elisabeth, geb. 1.2.1786, Bremen,  gest. 22.4.1806 in Bremen im Kindbett,  heiratete am 1.6.1804 in Bremen  den bekannten Großkaufmann Friedrich Scröder, geb. 29.3.1775 in Bremen, gest. 3.10.1835 in Bremen. Er war der Begründer der Heringsfischerei und der Weserdampfschifffahrtsgesellschaft “Die Weser” 1816. Das Ehepaar hatte einen Sohn: Friedrich Schröder, geb. 7.3.1806 in Bremen, später kgl. Amtsrat und Domänenpächter in Alvensleben, Tundersleben und Kl. Rottmersleben.

Johann Matthias Lameyer heiratete am 5.8.1787 in St. Martini in zweiter Ehe Hanna Margarethe Thorspecken, geb. 5.10.1769, gest. 9.1.1852. Die Kinder aus dieser Ehe und deren Nachkommen werden weiter unten behandelt.

Anläßlich der Hochzeit am 5.8.1787 wurde ebenfalls ein umfangreiches Hochzeitsgedicht erstellt. Der Verfasser war der Bruder der ersten Frau, J.A. Mehne. Aus diesem Gedicht läßt sich ersehen, daß der junge Lameyer, so wie es bei den oberen Schichten üblich war, zunächst eine Kavalierstour oder Bildungsreise durch Europa unternommen und in folgenden Ländern Eindrücke und Erfahrungen gesammelt hatte: Holland , England, Frankreich, Italien. Diese Reise dauerte mehr als 100 Wochen, also 2 Jahre. Dieses Hochzeitsgedicht ist mit dem Profilscherenschnitten des jungen Paares geschmückt.

Am Domshof 22 stand früher die Villa von Johann Matthias Lameyer
Seit 1891 seht hier die Deutsche Bank
(Bild von Wikipedia)

Der junge Lameyer hatte alle Voraussetzungen für einen guten Start in der Heimatstadt. Ein bedeutendes elterliches Vermögen und eine standesgemäße Eheverbindung. Am 8.1.1782 leistet er, immerhin schon 30 Jahre alt, den Bürgereid. Dieses Datum fällt sicherlich mit dem beruflichen Beginn in Bremen zusammen. Als einziger Sohn und Erbe hatte er sich Zeit gelassen, die ersten Jahrzehnte seines Lebens genutzt und Erfahrungen gesammelt. Zwei Jahre später schließt er dann die erste Ehe. Im gleichen Jahre 1784 kaufte er das vornehm ausgestattete Haus Domshof Nr. 22, einen überaus repräsentativen Bau. Ehemals war es im Besitz der erzbischöflichen Kurie gewesen. 1774 wohnte hier der Herzog von Holstein-Oldenburg. Es ist heute im Besitz der “Deutschen Bank”, Domshof 23. Seine Witwe hatte es 1834 wieder verkauft. In diesem Haus betrieb er zumindest von 1805  – 1811 nach dem Bremer Adressbuch eine Assecuranz-Companie. 1796 wird er lediglich als Kaufmann erwähnt. Bekannt ist, daß er auch Miteigentümer der Brigantine “Einigkeit” war.

Das Wappen von Johann Matthias Lameyer im Bremer Dom

Seit 1785 ist er Diakon am Dom. Im späteren langjährigen Streit des Senats unter Bürgermeister Smidt mit der Domdiakonie wegen der Rechte der lutherischen Gemeinde, war er einer der Wortführer und einer der wichtigsten Verhandlungspartner mit dem Senat.

Am 6.10.1801 wird er zum Aeltermann gewählt. Am 29.7.1809 wird er Senator anstelle des kränkelnden Senators Wilckens. Am 26.10.1810 ernannt der Senat per Conclusum die ersten 4 Bauherren am Dom. Unter ihnen steht an zweiter Stelle der Senator Joh. Math. Lameyer. Er hat dieses Amt, sowie auch das Senatorenamt, in schwerer Zeit sowohl was die politischen Zstände unter Napoleon, als auch was die Auseinandersetzungen mit dem reformierten Bürgermeister Smidt betrifft, bis zu seinem Tode innegehabt.

Mindestens seit 1783 ist er Mitglied des Clubs zu Bremen. Jedenfalls unterschreibt er in diesem Jahr bei einer Statutenänderung. Als am 24.10.1808 das neue Haus des Clubs zu Bremen eröffnet wird, vormals physikalische Gesellschaft, dann Bremisches Museum, schenkt der Senator Lameyer dem Club 2 japanische, 1 ostindischen und verschiedene italienische Risse sowie die “ehemalige hiesige Sandmühle”. Später fügt er noch eine Sammlung brasilianischer Vogelbälge hinzu.

1811/12 ist er Mitglied der Handelskammer und 1813 deren Vizepräsident. Laut Staatskalender ist er 1810 Acciseherr, Assessor bei dem Kinder- und Gastgericht, Inspektor bei der Witwen- und Versorgungskasse für Schullehrer. Morgensprachherr bei den Buchbindern und Leinewebern. 1821 war er Inspektor des Zucht- und Werkhauses.

In Schwarzwälders Geschichte der Freien Hansestadt Bremen, Bd. 2 1976 heißt es:

“Wie brutal bisweilen die Behandlung der Gefangenen war, zeigt sich in dem durchaus glaubhaften Erlebnisbericht eines notorischen Diebes und Ausbrechers (Wilhelm Richelmann), der in einem feuchten Kellerraum an schwere Ketten angeschlossen war,  die ihm kaum eine Bewegung der Arme und Beine gestatteten. Senator Johann Matthias Lameyer war als Inspektor des Zucht- und Werkhauses 1821 über diesen Zustand entrüstet und veranlaßte eine Erleichterung, doch blieben die Füße an einer Kette befestigt.”

Garten von Johann Matthias Lahmeyer

Außer seinem Haus am Domshof hatte Joh. Math. Lameyer noch einen prachtvollen Garten mit einem Gartenschlößchen in klassischem Stil “ausser dem Bischofstor” (zwischen Fedelhören und Kohlhökerstr.). Im Fokkemuseum existiert hiervon ein colorierter Stich aus der Zeit um 1800.

Am 20.11.1806 nahmen die Franzosen unter Oberst Clement Bremen ein. Napoleon verfügte die Kontinentalsperre gegen England. Ein schwerer Schlag für Handel und Gewerbe. Sieben Jahre dauerte die Besatzung. Das Bestreben des Senats war auf Neutralitätgerichtet. Man fand sich mit dem Unabwendbaren ab. Am 16.2.1811 wurde der Senat aufgelöst. Bremen hatte seine Selbständigkeit verloren und war nun eine französische Stadt. Wichelhausen wurde zum Maire ernannt, Larneyer und 0lbers im Mai 1811 zu Munizipalräten. Wichelhausen und Larneyer waren wegen ihrer realistischen Einstellung bei den Franzosen besonders beliebt, eine Einstellung, die übrigens auch der spätere Bürgermeister Smidt und der übrige Senat teilten. Als am 20.11.1811 der Sohn Napoleons geboren wurde, der bei der Taufe den Titel eines Königs von Rom erhielt, wurden als Delegierte der Stadt Bremen der Maire und Jurist Wichelhausen und die Munizipalräte 0lbers Arzt und Astronom, und Joh. M. Lameyer, reicher Kaufherr und Aeltermann, nach Paris zu den Feierlichkeiten entsandt. Die Reisekosten betrugen 6000 Rhtlr. und mußten von der Regierung in Hamburg genehmigt werden.

Visitenkarte Johann Matthias Lameyer

Von dieser Reise sind sowohl die Visitenkarten des Joh. M. Lameyer als auch ein Porträt, das ihn in prächtigem gldgestickten Diplomatenrock zeigt. 1813 befreite General Tettenborn die Stadt Bremen von der Franzosenherrschaft. Am 5.11.1813 trat der alte Senat der freien Hansestadt zum ersten Mal wieder zusammen. Senator Larneyer erfüllte wieder seine Pflichten im Stadtregiment und als Bauherr der Domdiakonie . Die Zeit bis zu seinem Tod war zunehmend durch die Auseinandersetzung des Bürgermeisters Smidt mit der lutherischen Domgemeinde geprägt. Für Lameyer eine besonders schwierige Situation, da er sowohl dem Senat als auch der Diakonie verpflichtet war. Allerdings erleichterte ihm seine Position auch, vieles zum schließlichen Vergleich beizuragen. Am 13.4.1825 ist er gestorben.

Durch die Ahnenschaft seiner Mutter ergeben sich wiederum interessante Konstellationen. Einmal ist es die Verwandtschaft mit Bismarck und zum anderen die von dem Bremer Genealogen, W. Albers behauptete Abkunft von Karl dem Großen. Beide Aufstellungen liegen an. Allerdings muß die Herkunft von Karl d. Gr. nach neueren Forschungen bestritten werden, da durch einen Fehler im Mushard die Verbindung der Gräfin von Stotel mit Friedrich von der Hude bezweifelt werden muß. Hier ist ein Bruch in der Filiation.

Immerhin liegt auch bis zu diesem Zeitpunkt (ca. 1250), ungeachtet dessen, hochinteressantes Material vor. Für die Enkeltochter des Johann Mathias Lameyer, Johanna Eugenie, geb. 17.11.1818, ist von Frau H. Lampe eine ebenfalls anliegende Ahnenliste erstellt worden.

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